Unser Körper — die wichtigsten physiologischen Reaktionen, die nach einer Tasse Kaffee auftreten
Kaffee ist nicht nur ein Getränk und Genussmittel, sondern ein Pflanzenprodukt mit vielen verschiedenen Inhaltsstoffen. Diese können wiederum ganz unterschiedliche physiologische Körperreaktionen hervorrufen, sodass ein breites Wirkspektrum nach dem Genuss des geliebten Heißgetränks auftreten kann. Um dies körperlich zu verifizieren, sind Studien vonnöten, an denen mehrere Probanden gleichzeitig teilnehmen. Belegt hingegen sind die Wirkung einiger Kaffeeinhaltsstoffe, wie dem Koffein, da dies im Mittelpunkt vieler Forschungsstudien stand und dies aus einem guten Grund, Koffein macht wach. Vielmehr stand die psychotrope Substanz aufgrund ihres Suchtpotenzials jahrelang im Mittelpunkt und führte zu einigen lustigen Endergebnissen und Resultaten, wie diesem Kalenderspruch: Komisch, alles erfinden sie heutzutage: Bier ohne Alkohol, Kaffee ohne Koffein, Margarine ohne Fett – aber eine Mitgift ohne Braut, da ist noch keiner drauf gekommen!
Alles, worauf es ankommt, sind die Pflanzeninhaltsstoffe
Wer Nahrung oder Flüssigkeit zu sich nimmt, sollte sich über deren Inhalt Gedanken machen. Je nachdem, woraus das Getränk oder Nahrungsmittel hergestellt wurde, können ganz unterschiedliche Körperreaktionen auftreten. Botanisch werden deswegen alle Pflanzeninhaltsstoffe in zwei große Gruppen eingeteilt, die jeder Konsument kennen sollte: die primären und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe.
Die primären und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe
In jeder Pflanze können sich deren Inhaltsstoffe auf ganz unterschiedliche Art verteilen. Während Pflanzeninhaltsstoff A in der Wurzel nur in geringer Konzentration vorliegt, kann der Masseanteil in den Früchten überdurchschnittlich hoch sein. Des Weiteren können die Pflanzenmoleküle zweier Pflanzen einer Art eine ähnliche, aber ganz andere Zusammensetzung an Pflanzeninhaltsstoffen zeigen. Diese werden in die primären und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe eingeteilt und dies aus gutem Grund. Die chemische Zusammensetzung von Samen, Keimen oder Früchten, die von Pflanzen stammen, müssen kontrolliert werden.
Die primären Pflanzeninhaltsstoffe dienen zumeist als Nährstoff und werden demzufolge in die Lebensmittelklassiker Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette eingeteilt. Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe hingegen üben eine bestimmte Funktion in der Pflanze aus und werden z.B. zur Abwehr von Fressfeinden, zum Schutz vor Sonneneinstrahlung sowie anderen Reaktionen eingesetzt. Koffein als Beispiel ist ein Alkaloid, dessen Funktion in der Pflanze noch weitestgehend unbekannt ist. Die Wirkung auf die menschliche Physiologie ist dahingehend viel weiter erforscht. Weitere wichtige sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind z.B. die Phenole, welche die Pflanze zum Schutz vor Bakterien und Fressfeinden nutzt.
Pflanzeninhaltsstoffe der Kaffeebohne
In der Kaffeebohne gibt es mehr als eintausend verschiedene Pflanzeninhaltsstoffe. Einige davon, wie z.B. die zu den Polyphenolen zählenden Flavonoide, die Chlorogensäure sowie Resveratrol werden zu den Antioxidantien gezählt. Diese besitzen die Kapazität, Schlaganfall sowie Diabetes vorzubeugen.
Während die primären Inhaltsstoffe der Kaffeebohne nach dem Aufbrühen als Kaffeesatz zurückbleiben, werden die sekundären Vertreter herausgelöst und gelangen so in den menschlichen Körper. Neben Kaffeeöl zählen dazu viele verschiedene Säuren und Mineralstoffe, die hier nicht alle aufgezählt werden können. Deren Wirkung gilt es, etwas näher zu betrachten.
Die Wirkung der sekundären Pflanzeninhaltsstoffe auf die menschliche Physiologie
Wird von Körperreaktionen gesprochen, müssen die Wege der zu sich genommenen Nahrungs- und Genussmittel nachverfolgt werden. Die Absorption einiger Pflanzeninhaltsstoffe beginnt somit bereits im Mund, wo die Geschmacksknospen der Zunge auf die Geschmacksnoten: bitter, süß, sauer, salzig und umami treffen. Hier unterscheidet der Körper bereits zwischen giftigen und ungiftigen Substanzen, da erstgenannte zumeist bitter sind. Der weitere Weg des Kaffees ist körperlich sehr gut nachvollziehbar und trifft auf folgende Stationen:
Die Stationen von Kaffee im menschlichen Körper
Nachdem der Körper die Aromavielfalt des Kaffees im Mundraum geschmacklich eingeordnet hat, beginnt die Talfahrt des Heißgetränkes in den Magen- und Darmtrakt. Hier werden bereits viele sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe resorbiert und als Stoffwechselprodukte in den Blutkreislauf eingeleitet. Dazu gehört ebenfalls das Koffein, welches die Reise durch unseren Körper nunmehr hier beginnt. Bereits nach 30 Minuten hat die Blutkonzentration allein dieses Pflanzeninhaltsstoffes sein Maximum erreicht.
Mit der Weiterleitung der gelösten Moleküle im Blut gelangen einige dieser Stoffe, wie z.B. Koffein, bis zur Blut-Hirn-Schranke, die überwunden wird. Nunmehr hat der Pflanzeninhaltsstoff das Potenzial, direkt oder indirekt auf das zentrale Nervensystem des menschlichen Körpers einzuwirken. Um wiederum zunächst beim Koffein zu bleiben, ist dieses Molekül ein Gegenspieler – Antagonist – des körpereigenen Adenosins. Es bindet demzufolge an dessen Rezeptoren im ZNS und entfaltet somit eine leistungssteigernde und anregende Wirkung sowie eine schmerzlindernde und schlafverzögernde Wirkung. Um diese Wirkungen nachzuvollziehen, sollte sich ein weiteres Nervensystem der menschlichen Physiologie, das vegetative Nervensystem, etwas näher angeschaut werden.
Kaffee und seine Wirkung auf das vegetative Nervensystem
Das vegetative oder autonome Nervensystem ist in der Lage, automatisch ablaufende Körperprozesse anzupassen und zu steuern. Neben allen Organtätigkeiten zählt dazu ebenfalls die Durchblutung, Atmung, Speichelproduktion und viele andere Körperfunktionen mehr. Diese obliegen einer nicht willentlich gesteuerten Regulation. Die beiden Hauptnervenstränge, der Sympathikus und Parasympathikus, sind gleichzeitig zwei Gegenspieler. Während der eine also die Atemfrequenz verlangsamt, übt der andere Nerv die entgegengesetzte Funktion aus.
In diesem Zusammenhang hat der Genuss von Kaffee eine Wirkung auf die Herzfrequenz, was durch die Ausschüttung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin maßgeblich forciert wird. Im gleichen Maße werden somit die Blutgefäße erweitert und die Durchblutung gefördert. Die Wirkdauer dieses Blutdruckanstiegs beträgt maximal 3 Stunden. In diesem Zusammenhang wirkt sich Kaffeekonsum ebenfalls auf die Stoffwechselfunktion und Muskeltätigkeit aus. Das größte Potenzial von Kaffee ist die gefäßerweiternde Wirkung. Es kann demzufolge als Therapeutikum bei Atemwegserkrankungen eingesetzt werden. Gleichermaßen wirken viele Pflanzeninhaltsstoffe der Kaffeebohne antioxidativ. So schützen Kahweol und Cafestol Leberzellen bei der Verstoffwechselung von Giftstoffen. Die Anregung der Nierentätigkeit ist ebenfalls ein Effekt, den jeder Kaffeetrinker nur allzu gut kennt.
